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Neustadt (Dosse)

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Kirchengemeinde

Gemeindegliederzahl am 31.12.2003: 468. Neustadt ist derzeit (2004) eine eigene Pfarrstelle, die vom Pfarramt Köritz verwaltet wird.

Kirche

Nachdem 1666 die alte Kirche abgebrannt war, wurde 1673-1696 die neue von Anton Reinhardt als Zentralkirche in Form eines griechischen Kreuzes errichtet (erste Zentralkirche der Mark). Ursprünglich St. Georg genannt, trägt sie jetzt Kreuzkirche Neustadt (Dosse) den Namen Kreuzkirche. Über achteckigem Kuppeldach ist ein achteckiger Turm mit geschweifter Haube und geschlossener Laterne. Auch der Hauptraum ist achteckig und hat vier kurze Kreuzarme. Die schlichte Gliederung durch Eckbänder und hohe rundbogige Fenster ist wirkungsvoll. - Ebenfalls von großer Wirkung ist der steile Innenraum mit seiner nüchternen Originalausstattung. Der freie Hauptraum ist mit achtseitigem hölzernem Klostergewölbe, die Kreuzarme mit Stichkappentonnen gedeckt. Der östliche Kreuzarm (Sakristei) ist durch die Altarwand mit seitlichen, von korinthischen Säulen flankierten Durchgängen ver-stellt. Darüber befindet sich die Orgelempore mit der Orgel, 1893 von Albert Hollenbach. In den übrigen Kreuzarmen stehen zweigeschossige Emporen mit korinthischen Säulen, in den Brüstungsfeldern Bibelsprüche. - Kanzelaltar, Ende des 17. Jahrhunderts, am polygonalen Kanzelkorb gewundene Ecksäulchen, darunter Altarbild des Abendmahls, mit genrehaften Begleitfiguren. Neugotischer Taufstein, um 1870. - Großes Sandsteingrabmal Ernst Bleichert Giese (+1775) in Form einer drapierten Urne.

Kreuzkirche Neustadt (Dosse) von innen

Kirchengeschichte

Bei Einführung der Reformation 1541 gehörte Neustadt zur Pfarre in Köritz. 1558 bekam es seinen ersten eigenen (lutherischen) Pfarrer. Die Pfarrerliste der Kirchengemeinde Neustadt umfasst bis 1998 20 Namen. 1697 kam auch eine reformierte Kirchengemeinde dazu. Ihre Pfarrerliste umfasst bis 1827 13 Namen. Dann wurden beide Gemeinden vereinigt. Unter den Pfarrern ist Hermann Wauer zu erwähnen, der von 1926 bis 1952 amtierte und im Kirchenkampf 1933-1945 Kreispfarrer der Bekennenden Kirche war. Er starb im Amt (1945 war er zugleich Superintendent des Kirchenkreises Wusterhausen geworden) und wurde auf dem Neustädter Friedhof begraben. Seit der Pensionierung des letzten Pfarrstelleninhabers (1998) ist die Pfarrstelle nicht mehr besetzt. Das Pfarrhaus wurde verkauft. Die Kirchengemeinde besitzt in der Robert-Koch-Str. noch ein Gemeindehaus. Die Gemeinde wird von Köritz aus verwaltet; eine Zusammenlegung der beiden Neustädter Kirchengemeinden wird angestrebt.

Stadtgeschichte

Das Gebiet wurde bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts besiedelt; eine frühdeutsche Burg auf dem Gelände der heutigen Amtsfreiheit (1375 erwähnt) sicherte den Dosseübergang an der Handelsstraße Havelberg-Ruppin. Die Siedlung neben der Burg blieb unbedeutend, bis sie 1662 Friedrich II., Prinz von Hessen-Homburg (1633-1708) erwarb und durch Ansiedlung von Hugenotten vergrößerte. Der Große Kurfürst verlieh dem Ort am 24. August 1664 das Stadtrecht. 1666 vernichtete ein Brand Schloss, Kirche und weite Teile der Stadt. Der Wiederaufbau erfolgte rasch. 1696 wurde die neue Kirche eingeweiht. Der "Prinz von Homburg" gründete 1688 eine Spiegelmanufaktur, die bis 1844 in Betrieb war. Der Ortsteil Spiegelberg erinnert daran. Ab 1788 ist Neustadt "Stadt der Pferde". Nachdem Friedrich Wilhelm II. 1786 Carl Graf von Lindenau mit der Reorganisation des preußischen Gestütswesens beauftragt hatte, ließ Otto Karl Friedrich von Voß 1788-90 zwei Gestütsanlagen bauen, das Friedrich-Wilhelm-Gestüt und das Landgestüt. Beide Gestüte umfassen ein Areal von 400 ha. Die gesamte Anlage lockt regelmäßig tausende Pferdeliebhaber und -züchter nach Neustadt. - 1926 wurde Spiegelberg, 1929 der Gutsbezirk Friedrich-Wilhelms-Gestüt, 1954 Köritz (mit Schönfeld), 1969 Kampehl und 2003 Plänitz-Leddin und Roddahn (mit Ortsteilen) eingemeindet. Neustadt hatte 1939 1.362 Einwohner. 1946 waren es durch den Zuzug von Vertriebenen (105 Neubauern bekamen durch die Bodenreform insgesamt 173 ha Land) 2.152. - Auch durch den auf Köritzer Gebiet liegenden Bahnhof ist Neustadt bekannt (vgl. Fontane in seinen "Wanderungen"). Er liegt an der Hauptstrecke Berlin-Hamburg und ist Ausgangspunkt der Nebenbahn nach Pritzwalk. Seit 1992 ist Neustadt Amtssitz und Grundzentrum (Schulen, Ärzte, Zahnärzte, Ev. und Kath. Pfarramt, Banken, Geschäfte).

Kommunalgemeinde

Einwohnerzahl 1999 (mit Köritz und Kampehl): 3.593. Zur Grafschaft Ruppin gehörig, 1816-1952 Kreis Ruppin, 1952-1993 Kreis Kyritz/Bezirk Potsdam, seit 1993 Kreis Ostprignitz-Ruppin.

Text: K.-E. Selke
Foto 1: Tobias Schulze
Foto 2: K.-E. Selke


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